Homosexualität: Liebe verdient Respekt*
   
 
Inhalt:


I. Was ist Homosexualität?

II. Was bedeutet "Coming-out"?

III. Wo finde ich Schwule / Lesben?

IV. Wie leben Homosexuelle?

VI. Was bedeutet die "Homo-Ehe"?


I.Was ist Homosexualität?

Allgemein gilt, dass 5 % in der Bevölkerung homosexuell sind (nicht nur bei uns, auch in Spanien, Italien, Russland, in der Türkei und jedem anderen Land, an das du jetzt denkst). Konkret heisst das: Auch an deiner Schule gibt es in jeder Stufe schwule Jungen und lesbische Mädchen.

Laut Wörterbuch wird ein "Geschlechtsempfinden, das auf das andere Geschlecht gerichtet ist" als Heterosexualität bezeichnet. Vielen gilt diese sexuelle Ausrichtung als normal, was nach ihrer Meinung keines besonderen wissenschaftlichen Namens Bedarf. Denn wer läßt sich schon gerne als Heterosexueller bezeichnen und damit seine gesamte Persönlichkeit auf Sex reduzieren? Genauso geht es Homosexuellen.

Übersetzt bedeutet Homosexualität:
"ein auf das eigene Geschlecht gerichtetes Geschlechtsempfinden" (Duden). Viele denken bei "Homo" nur an Jungen, obwohl sich dieses Wort eigentlich sowohl auf Mädchen (Lesben) wie Jungen (Schwule) beziehen kann. Obwohl du das Wort schwul als Schimpfwort kennen wirst, bezeichnen sich heute viele männer-liebende Männer bewußt selbst als schwul. Beliebt ist auch das amerikanische Wort gay, weil es überall verstanden wird.

Homo- und Heterosexualität sind nicht bloß sexuelle Gewohnheiten, sondern tief in der Persönlichkeit verwurzelt. Bei Homosexualität also: Ein Mann verliebt sich in einen Mann, eine Frau verliebt sich in eine Frau.

Über die Ursachen von Homosexualität gibt es die verschiedensten Theorien - von Hormonstörungen bis zum "Schwulen-Gen".
Häufig hatte die Ursachenforschung den Zweck, die Homosexualität bei Menschen "wegzumachen"- und scheiterte kläglich! Lange Zeit glaubten viele Erwachsene auch an "Verführung" von Jugendlichen, was die Sexualwissenschaft widerlegte. Denn warum sollten Jugendliche - einmal an der Homosexualität genascht - immun werden gegen die tagtägliche Präsenz heterosexueller Vorbilder in Medien, bei Freunden und der Familie?

Nur über eines sind sich die meisten Wissenschaftler einig:
Die sexuelle Ausrichtung jedes Menschen liegt sehr früh fest, lange vor der Pubertät. Und erklärungsbedürftig ist viel weniger die Homosexualität, als die Frage, warum in unserer Gesellschaft noch viele Menschen Schwule und Lesben verachten und anfeinden.

Also Homosexualität:

-> ist lieben, sich verlieben und geliebt werden,

-> ist Freude am Körper, Sinnlichkeit, Lust und Zärtlichkeit,

-> ist Liebe und Sexualität, die zwischen gleichgeschlechtlichen Partnerinnen
    und Partnern gelebt wird,

-> kommt auch in den besten Familien vor.

Homosexualität ist in Deutschland nicht verboten! Da alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind, dürfen in Deutschland keine Minderheiten diskriminiert werden. 


II.Was bedeutet "Coming out"?

Wenn ein Mädchen sich eingesteht, dass es auf Mädchen steht, und sie es einem anderen erzählt, dann beginnt ihr "Coming-out". Wenn ein Junge sich eingesteht, dass er auf Jungs steht, und er es jemandem erzählt, dann beginnt sein "Coming out": Er oder sie "kommt damit heraus".

Anfänglich ist es meist ein großer Schreck, wenn man erkennt, dass man "anders als die Anderen" ist.
Es taucht auch die Frage auf:> Bin ich vielleicht "bi"?< Das heißt: Mag ich beide Geschlechter gleich stark? Auch das wäre möglich. Und:

Jungen machen manchmal ihre ersten sexuellen Erfahrungen in der Schulzeit mit gleichaltrigen Schulkameraden. Wenn sich die einen später dann Mädchen zuwenden und andere weiterhin Lust auf Jungs verspüren, wird diesen irgendwann klar, dass bei ihnen ein anderer Film abläuft.

Ob sich ein Schwuler oder eine Lesbe allerdings gegenüber anderen "outen" möchte, bleibt seine/ihre Entscheidung. Viele Jugendliche suchen sich zunächst eine lesbisch/schwule Jugendgruppe (="Coming-out-Gruppe"), mit denen sie über sich sprechen, sich miteinander besprechen, bevor sie Freunde, Mitschüler (-innen) oder Eltern einweihen.
Besonders für Jungen gilt es aber als uncool und dauert daher auch sehr lange bis sie sagen können:"Proud to be gay" (ich bin stolz, schwul zu sein).
 

Dies ist die Solidaritätsfahne von / für Schwulen und Lesben.

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III. Wo finde ich Schwule/Lesben?

Ich habe oben bereits berichtet, dass es auch an deiner Schule schwule Jungen und lesbische Mädchen gibt. Sie kommen jedoch nicht "raus" (haben also noch kein "Coming out"). Oder sie outen sich in zwar in ihrer Klasse, aber weder in der Nachbarklasse noch in der Stufe über oder unter ihnen erfährt es jemand. Dann kommt das Problem hinzu, dass z. B. andere schwule Jungs sich nicht trauen auf dem Schulhof ins Gespräch zu kommen, weil sie Angst haben, die anderen könnten dann auch etwas über sie vermuten. Was kann man also versuchen? Ich kann hier niemandem raten, dass man sich outen sollte, weil das jede(r) selbst entscheiden muss. Aber nach aller Erfahrung ist die enorme Angst vor dem Outing häufig nicht begründet. Direkte Gespräche sind häufig hilfreich - so sprachen manche mit ihrer Klassenlehrerin, die sich darauf hin an mich gewandt hat, um mehr Infos zu bekommen. Eins sollte klar sein: niemand erzählt das irgendwie rum - auch nicht den Eltern, wenn du es nicht möchtest. Frag ruhig danach.

Um auf die Frage in der Überschrift zu kommen: "Wo finde ich Schwule/Lesben?": Ich selbst kenne ehemalige Schülerinnen und Schüler unserer Schule, die ihre ersten Kontakte über Chats hergestellt haben. Gut daran war, dass sie mit gleichaltrigen Schwulen oder Lesben direkt und anonym ins Gespräch kamen. Viele empfanden es aber auch als schlecht, dass die Anonymität ihnen einige "Idioten" im Chat bescherte. Aber es gibt neben der virtuellen Welt schließlich noch die reale Welt - und das muss nicht unbedingt ein Besuch beim CSD sein (aber man kann sich als Zuschauer umschauen; siehe unten: "IV. Wie leben Homosexuelle?").

Die reale Lebenswelt umfasst in jeder größeren Stadt auch zahlreiche Cafés, Bars oder Clubs - auch für für jüngere Schwule und Lesben sowie Jugendgruppen, Buchläden, Beratungseinrichtungen, lesbisch-schwule Sportvereine (www.sc-janus.de) und vieles mehr. Hier Beispiele in Köln: 

- das Jugendzentrum Anyway in der Kölner City: http://www.anyway-koeln.de. Beim Anyway kannst du dich mit anderen Jugendlichen in einer Coming-out-Gruppe treffen.

- die Beratungseinrichtung Rubicon oder

- die Bürgerrechtsorganisation LSVD oder

- bei Übergriffen (Beleidigung, Diskriminierung...) das Anti-Gewalt-Projekt Koeln 19228.

Es gibt auch türkische und andere Gruppen für Lesben und Schwule mit Migrationshintergrund.


IV. Wie leben Homosexuelle?

Auch wenn du selbst vielleicht schon einmal im Sommer "die Schwulen" bei den CSD*-Paraden gesehen hast: In ihrer Freizeit machen Schwule und Lesben das gleiche wie andere auch:

Schwule und Lesben kaufen Brötchen, fahren Fahrrad, gehen zur Schule, fahren in Urlaub, haben einen Job, treffen Freunde - daneben interessieren sie sich auch für das eigene Geschlecht.

Beim Sex gibt es praktisch nichts, was nicht auch unter den "Normalen" (Heterosexuellen) stattfinden würde (entgegen dem Vorurteil, Schwule würden eine bestimmte Sex-Praxis bevorzugen). Die amerikanische Rita Mae Brown meint ironisch:
"Ich glaube, Schwule und Lesben sind wie Blondinen; es gibt weniger von ihnen, aber sie haben mehr Spaß."
Dennoch: Lesben legen meist großen Wert auf Sex, der mit persönlicher Vertrautheit verbunden ist. Viele Schwule erweisen sich dagegen als "echte Kerle": Sie haben im Durchschnitt mehr Sexualpartner als Hetero-Männer.
Einerseits gilt in einem Teil der schwulen Kultur häufiger Wechsel der Sexualpartner nicht als anstößig. Andererseits leben aber auch nahezu 60 % der Schwulen in einer festen Beziehung.

(Politik beim CSD*, links: Volker Beck (Grüne), erster offen schwuler Bundestagsabgeordneter beim CSD in Köln)

(rechts und Foto in der Mitte: CDU und SPD beim CSD* in Berlin - Mitte: Wagen mit dem offen schwulen Berliner SPD-Bürgermeister Klaus Wowereit)

*Worterklärung: "CSD" = Christopher Street Day

Während man im deutschsprachigen Raum von "Christopher Street Day" spricht, heißen die Paraden international "gay pride" (schwuler Stolz). Der Christopher Street Day geht auf einen Aufstand zurück, der am 28. Juni 1969 In der Christopher Street (New York) stattfand, als wieder einmal die Polizei eine Razzia in der Bar "Stonewall" machen wollte. Um dem Jahrestag des Aufstands zu gedenken, wurde daraus eine internationale Tradition, im Sommer eine Demonstration für die Rechte von Schwulen und Lesben abzuhalten.



V. Lesetipps:

im Netz...... junge Schwule und Lesben findest du im Internet unter:   www.dbna.de und www.lambda-online.de .

... LOVELINE der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: www.loveline.de

... Gründe für Homophobie ("Schwulenfeindlichkeit"): mein eigener Text zum Anti-Gewalt-Projekt

... wer etwas über eine ganz andere Sexualität erfahren will, kann dies auf der Seite der Gesellschaft für Transidentität erfahren.

Auf die Angabe weiterer Internetseiten habe ich bewusst verzichtet, weil sie nicht immer jugendfrei sind und mir der Schutz Jugendlicher (ob schwul/lesbisch/hetero) wichtig ist. Die ersten beiden oben genannten sind öffentlich gefördert, sind seriös und richten sich speziell an Jugendliche.

Bücher... ...sorry, diese Liste nicht mehr ganz so aktuell...

Ellen Bass/Kate Kaufmann: Wir lieben wen wir wollen, Orlanda Frauenverlag, Berlin 1999 - Selbsthilfe für lesbische, schwule und bisexuelle Jugendliche

Pat Califia: Wie Frauen es tun. Das Buch der lesbischen Sexualität, a.a.O. 1998

Marion Bauer: Am I blue? Carlsen Verlag, Hamburg 1996 - 14 wunderschöne Geschichten über die andere Liebe

Karen-Suan Fessel/ Axel Schock: OUT!  500 berühmte Lesben, Schwule und Bisexuelle, Querverlag Berlin 1997

Lesbisch-schwules Schulprojekt Fluss: Das lesbischwule Coming-out-Buch. Lesben und Schwule erzählen ihre Geschichte, Berlin Rosa Winkel 1999

Gordon Merrick: Ein Fall von Liebe, Bruno Gmünder Verlag, Nr. 411 BG

Mirjam Müntefering: Flug ins Apricot, Wien Milena 1999

Andrew Sullivan: Völlig normal - über Homosexualität, Knauer Taschenbuch 1998

Unterhaltsam sind auch die Comics von Ralf König, z.B.: "Der bewegte Mann" (nach dem auch der Spielfilm gedreht wurde).


VI. Was bedeutet die "Homo-Ehe"?

Das Lebenspartnerschaftsgesetz soll homosexuellen Lebensgemeinschaften einen umfassenden rechtlichen Rahmen geben. Eine völlige Gleichstellung mit der Ehe ist nicht verwirklicht. Was genau steht im Gesetz?

Die Eingetragene Lebenspartnerschaft begründet gegenseitige Unterhaltspflichten und sorgt für eine Gleichstellung der homosexuellen Partner mit Ehepaaren im Namens-, Erb- und Mietrecht. Vor Gericht steht den Partnern ein Zeugnisverweigerungsrecht zu. Für Kinder eines Partners ist ein "kleines Sorgerecht" vorgesehen, also die Befugnis zur Mitentscheidung in Angelegenheiten des täglichen Lebens. Nach einer Trennung kann ihnen ein Umgangsrecht eingeräumt werden. Für ausländische Partner gilt ein Zuzugsrecht.


Welche Behörde ist zuständig?
Die Lebenspartnerschaft wird vor der "zuständigen Behörde" geschlossen - der Begriff Standesamt wurde wegen Zuständigkeit der Länder vermieden. Die meisten Länder haben sich für das Standesamt entschieden, andere wollen die Partnerschaft bei der Gemeinde oder der Kreisverwaltung eintragen lassen.

Welche Regelungen stehen noch aus?
Ein weiterer Teil des ursprünglichen Entwurfs ist noch nicht Gesetz geworden, da er der Zustimmung des Bundesrates bedarf. Darin wollte die Koalition vor allem steuerliche Erleichterungen für homosexuelle Paare durchsetzen.
Die rot-grüne Koalition hat diesen Teil in ein Ergänzungsgesetz ausgegliedert. Hauptstreitpunkt mit der Union ist, ob gleichgeschlechtliche Paare steuerlich wie Eheleute behandelt werden sollen. Eine Einigung darüber konnte im Vermittlungsausschuss noch nicht erzielt werden.
Nicht vorgesehen sind der für Ehepaare geltende Versorgungsausgleich, die Hinterbliebenenrente und das Recht zur gemeinsamen Adoption von Kindern.
 
Welche Papiere braucht man zum Heiraten? 
Eine Bescheinigung der Meldebehörde über Vor- und Familienname, Familienstand, Wohnort und Staatsangehörigkeit, Familienbuch oder Abstammungsurkunde, gegebenenfalls Familienbuch einer vorangegangenen Ehe oder Heiratsurkunde und Abstammungsurkunde sowie Nachweis über Auflösung der Ehe, Erklärung gegenüber dem (Standes-)Beamten, dass man den Vermögensstand der Ausgleichsgemeinschaft wählt oder Vorlage eines Lebenspartnerschaftsvertrages.

Welche Namen können die Lebenspartner führen? 
Die Lebenspartner können ihre Namen behalten oder einen Lebenspartnerschaftsnamen bestimmen. Zum Lebenspartnerschaftsnamen kann einer der Geburtsnamen der Lebenspartner gewählt werden. Der andere kann dann seinen Namen dem Lebenspartnerschaftsnamen voranstellen oder anfügen. Führt er einen Doppelnamen, darf er nur einen der Namen voranstellen oder anfügen.

Ändern sich die Vermögensbeziehungen? 
Nein. Die Vermögen bleiben getrennt. Rechte und Forderungen stehen den Partnern zu, die sie vor oder während der Partnerschaft erwerben. Ein Konto oder ein Bankguthaben bleibt im Vermögen der Partner, auf deren Namen es lautet. Das gilt auch für die Schulden.
Allerdings sind die Lebenspartner berechtigt, Geschäfte zur angemessenen Deckung des gemeinsamen Lebensbedarfs mit Wirkung für den anderen Teil zu besorgen. Außerdem müssen die Partner bei der Eingehung der Lebenspartnerschaft klären, in welchem "Vermögensstand" sie leben wollen.

Welcher Vermögensstand gilt für Lebenspartner? 
Die Lebenspartner können bei der Eingehung der Lebenspartnerschaft erklären, dass sie den Vermögensstand der Ausgleichsgemeinschaft wählen. Wenn sie ihren Vermögensstand anders regeln und z.B. Vermögenstrennung (Gütertrennung) vereinbaren wollen, müssen sie  einen notariellen Lebenspartnerschaftsvertrag abschließen.

Wie kann eine Lebenspartnerschaft aufgelöst werden?
Genauso wie eine Ehe nur durch gerichtliches Urteil.

Wie sieht es mit dem Unterhalt aus?
Auf den Partnerschaftsunterhalt während der Partnerschaft und für die Zeit nach der Trennung bis zur Auflösung der Partnerschaft kann man nicht für die Zukunft verzichten. Anders dagegen beim nachpartnerschaftlichen Unterhalt. Auf ihn kann man schon bei Eingehung der Partnerschaft verzichten. Eine solche Vereinbarung ist aber unwirksam, wenn dabei eine Situation der Unterlegenheit ausgenutzt wird, oder wenn sich die Vertragsparteien im Zeitpunkt des notariellen Vertrages der Sozialhilfebedürftigkeit eines der beiden Partner bewusst waren. 


(Vielleicht hast du dich gefragt: Was bedeutet das Sternchen in der Überschrift "Liebe verdient Respekt" zu Beginn des Textes dieser Seite?  Es bedeutet: Einige Angaben dieser Seite und dieser Slogan stammen aus Broschüren des LSVD.)

<- Information der Polizei in NRW gegen Homophobie


"Homosexualität":  Frank G. Pohl: www.frankpohl.de - fgp - 12/ 2007

-zuletzt geändert: 11.09.2009