Wer ist "fremd"?
Wer fühlt sich "als Fremder"?


Klar, das Anders-sein anderer ist einem nicht so vertraut. Manchmal wirkt das Fremde exotisch-faszinierend, manchmal aber auch bedrohlich.
 

Besondere Probleme, die mir SchülerInnen schilderten waren:

- AussiedlerInnen, die hier nicht geboren sind und die teilweise die Sprache nicht perfekt beherrschen, werden z. B. als "Russen" angesehen, obwohl sie sich als Deutsche sehen. Dennoch bleiben häufig auffallende Unterschiede wie eine andere (strengere?) Erziehung, teilweise eine sehr religiöseres Elternhaus als bei MitschülerInnen.

- in Deutschland geborene Türken/Kurden, die (anders als die Eltern) die deutsche Sprache und Kulturinhalte (Verhaltens-/Benimmregeln) perfekt beherrschen und deren privates Leben sich enorm unterscheidet von dem ihrer ("deutschen") FreundInnen, müssen doppelte Leistung bringen, um das gleiche Ansehen und den selben beruflichen Erfolg zu haben wie die in nur einer Kultur aufgewachsene SchülerInnen (die sich als "Deutsche" verstehen).

- Schülerinnen, die sich durch macho-haftes und eingebildetes Männlichkeitsgehabe von ausländischen Mitschülern belästigt, besonders auch in der Klasse 8 körperlich/sexuell bedroht fühlten.

- ausländische Schüler, die die deutsche Sprache nicht perfekt beherrschen und sich manchmal MitschülerInnen unterlegen fühlen.
 

Merke:

1. Vorurteile zwischen Gruppen kann man mit einer Waage vergleichen: Was der Fremdgruppe negativ angelastet wird, erscheint bei der eigenen Gruppe positiv: Aufwertung durch Abwertung, Weißmalerei durch Schwarzmalerei.

2. Mit Vorurteilen kann man Verantwortung abschieben: Für das eigene Versagen oder Frust. Die andere Gruppe wird dann gerne zum "Sündenbock" oder "Feindbild" gemacht.

3. Nur wer echtes Selbstbewußtsein hat, kann sich tolerant zeigen. Wem das Selbstbewußtsein fehlt, benötigt Feindbilder.


Kontaktmöglichkeiten:

Deutsch-Türkischer Verein (DTVK) e.V.
El Ele "Hand in hand"
50765 Köln
Tel.: 0221/ 70 71 62 und 7 08 81 12

Beratungsstelle für junge Spätaussiedler
Jugendgemeinschaftswerk
Kalker Hauptstr. 127
51 103 Köln
Tel.: 0221/ 85 11 79 und 85 37 83 , Fax: 85 81 71
 

weitere Infos zum Thema "Ausländerfeindlichkeit"-> NRW gegen rechts

Lesetipps:

Wir leben hier! Ausländische Jugendliche berichten. (Von Ulrike Holler und Anne Teuter, Alibaba Verlag 1992)
33 Jugendliche schreiben über ihr Leben in Deutschland. Manche sind hier geboren , andere in fremden Ländern. Manche kamen, um der Not in ihrer Heimat zu entgehen, andere sind schon immer hier und kämpfen um ihren Platz in der Gesellschaft. Ein bißchen fremd fühlen sie sich alle.

Wolfslämmer (Von Heinz Knappe, Verlag rororo 1992)
Geschichte eines türkischen Mädchens und eines deutschen Jungen, die in die Auseinandersetzung zwischen zwei Jugendgruppen geraten.


Ich fände es klasse, wenn sich "Aussiedler" ("der Russe"), "Ausländer" ("der Kurde", "der Türke") - und andere SchülerInnen bereit erklärten, zu dieser Seite der Homepage etwas beizutragen!

Nur Mut mich anzusprechen!

..oder E-Mail schicken an: mail@frankpohl.de


"fremd sein":  Frank G. Pohl: www.frankpohl.de - fgp - Version 4 /2007